5. DAS MECHANISCHE UHRWERK

Das mechanische Uhrwerk der 1505 Watch ist das Ergebnis einer ingenieurtechnischen, horologischen und handwerklichen Leistung von historischer Tragweite. Der auf nur etwa 3,60 x 3,55 Zentimeter begrenzte Bauraum erforderte sowohl die extreme Miniaturisierung der einzelnen Bauteile als auch eine vollständig auf diesen Maßstab abgestimmte konstruktive Anordnung des gesamten Werks. Nur dadurch konnten Energiespeicherung, Kraftübertragung, Räderwerk, Hemmung und Regulierung in einer derart kompakten Form zu einer funktionsfähigen mechanischen Einheit verbunden werden.

Seine technische Bedeutung liegt weder in einem einzelnen Bauteil noch in der Miniaturisierung allein. Die Verkleinerung mechanischer Uhrwerke war um 1500 Teil einer längeren technischen Entwicklung. Mit der 1505 Watch vollzog sich jedoch der entscheidende Schritt von der fortschreitenden Miniaturisierung zur am Körper tragbaren mechanischen Uhr: Erstmals wurde ein vollständiges mechanisches Uhrwerk in einer Größe konzipiert und ausgeführt, die seine Integration in den als Gehäuse dienenden Pomander ermöglichte.

Die Verkleinerung auf diesen neuen technischen Maßstab war keine bloße Reduktion der Abmessungen. Die uhrmacherische Untersuchung zeigt, dass sich mit der Miniaturisierung sämtliche mechanischen Parameter verschieben, insbesondere die Kräfteverhältnisse an der Hemmung. Die konstruktive Aufgabe bestand darin, die verkleinerten Bauteile so aufeinander abzustimmen, dass sie als mechanische Einheit funktionsfähig zusammenwirkten.

Zu den innerhalb des begrenzten Bauraums zusammenwirkenden Komponenten gehören Zugfeder und Federhaus, Darmsaite und Schnecke, Räderwerk, Spindelgang mit Radunruhe sowie die Borstenregulierung. Am Platinenrand ist ein verschwenkbarer Regulierarm vernietet. Zwei Tierborsten wirken als elastische Anschläge auf die Schenkel der Radunruhe. Je nach Stellung des Regulierarms lässt sich deren Amplitude begrenzen oder vergrößern und damit die Ganggeschwindigkeit einstellen. Die Elastizität der Borsten ermöglicht dabei einen weicheren Umkehrschwung.

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Das Uhrwerk wurde in das Pomandergehäuse eingepasst. Dessen begrenzter Innenraum bildete den räumlichen Rahmen für die Anordnung der Bauteile. Uhrwerk und Gehäuse waren damit konstruktiv und funktional aufeinander bezogen.

Die Konzeption des Werkes und die Herstellung seiner einzelnen Komponenten bildeten nur einen Teil der Gesamtleistung. Ebenso wesentlich waren ihre räumliche Anordnung, die Montage und die Regulierung des Werks. Die uhrmacherischen Befunde dokumentieren eine außergewöhnlich präzise und funktional abgestimmte Anordnung der Bauteile sowie einen großen Einstellbereich des Regulierarms. Die Verwirklichung dieses Zusammenspiels erforderte ein Höchstmaß an konstruktiver Vorstellungskraft, uhrmacherischem Systemverständnis und handwerklicher Präzision.

Dass ein solches Werk um 1500 konzipiert, gefertigt, montiert und zuverlässig zum Laufen gebracht werden konnte, begründet den besonderen Respekt, den es auch aus heutiger uhrmacherischer Sicht erfährt.

Das Uhrwerk lässt diese Systemleistung bis heute unmittelbar nachvollziehen. Seine Bauteile wurden so miniaturisiert und zu einer technischen Einheit zusammengefügt, dass das Werk in allen Lagen funktionsfähig war und am Körper getragen werden konnte. Darin liegt seine singuläre historische Bedeutung: Es schuf die technische Grundlage dafür, mechanische Zeitmessung am Körper zu tragen, und eröffnete damit eine neue Beziehung zwischen Mensch, Maschine und Zeit.

Das folgende Kapitel widmet sich dem Pomander als Gehäuse und zweitem wesentlichen Bestandteil der 1505 Watch.

The 1505 WATCH - HIGH RESOLUTION

World`s First Watch
Year 1505 in Nuremberg
By Peter Henlein

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