6. DER POMANDER – DAS GEHÄUSE DER 1505 WATCH

Das Gehäuse der 1505 Watch ist ein vergoldeter Pomander. Der Begriff leitet sich vom französischen pomme d’ambre – „Ambra-Apfel“ – ab und bezeichnete ursprünglich eine kugelförmige Duftmischung aus kostbaren aromatischen Substanzen wie Ambra, Moschus, Harzen oder Gewürzen. Im Laufe der Zeit ging die Bezeichnung auf das kunstvoll gefertigte Behältnis über, das diese Duftstoffe aufnahm.

Pomander sind in Europa seit dem Spätmittelalter nachweisbar und entwickelten sich insbesondere zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert zu kostbaren, am Körper getragenen Luxus-, Schmuck- und Gebrauchsobjekten. Die in ihrem Inneren aufbewahrten aromatischen Substanzen dienten nicht nur der Verbreitung angenehmer Düfte. Nach den medizinischen und naturphilosophischen Vorstellungen der damaligen Zeit wurden ihnen auch schützende und gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Pomander verbanden damit kostbare Materialien, handwerkliche Gestaltung, Körpernähe, gesellschaftliche Repräsentation und zeitgenössische Schutzvorstellungen.

Vor diesem historischen Hintergrund ist die Wahl eines Pomanders als Gehäuse der 1505 Watch von zentraler Bedeutung. Für das miniaturisierte Uhrwerk wurde kein beliebiges neues Gehäuse geschaffen, sondern ein kulturell vertrautes, prestigeträchtiges und bereits am Körper getragenes Objekt verwendet. Der Pomander gab den räumlichen Rahmen für die Integration des Uhrwerks vor, bestimmte die äußere Gestalt der Uhr und ermöglichte ihre Tragbarkeit. Durch die Verbindung mit dem Uhrwerk wurde der Pomander erstmals zum Träger mechanischer Zeitmessung.

Der Pomander besteht aus Kupfer, ist außen feuervergoldet und innen feuerversilbert. Er misst etwa 4,15 × 4,25 Zentimeter, am Äquatorrand 4,5 Zentimeter, und wiegt 38,5 Gramm. Seine obere, mittlere und untere Gehäuseschale sind über ein gemeinsames Scharnier miteinander verbunden. In dieses Gehäuse ist das mechanische Uhrwerk passgenau eingebaut.

Die äußere Gestaltung des Pomanders folgt einer klar gegliederten Gesamtkomposition. In diese sind das Zifferblatt mit den römischen Zahlen I bis XII, der äußere Ring mit den arabischen Zahlen 13 bis 24, Gravuren, zwei zifferblattähnliche Medaillons – eines mit einem männlichen Porträt, das andere mit einer Stadtansicht –, ornamentale Bänder sowie die umlaufende lateinische Inschrift eingebunden. Diese Elemente bilden nicht lediglich eine visuelle Gestaltung. In ihrem Zusammenwirken entsteht ein vielschichtiges Sinngefüge, durch das der Pomander selbst zum Bedeutungsträger wird.

Der Pomander ist daher nicht lediglich eine schützende oder gestalterische Hülle. Seine räumliche Form schuf den konstruktiven Rahmen für die Integration des Uhrwerks und ermöglichte die Tragbarkeit der Uhr; seine äußere Gestaltung bettete die mechanische Innovation zugleich in die symbolischen, sozialen und kulturellen Vorstellungswelten ihrer Zeit ein. Im Zusammenwirken beider Ebenen wurde eine überlieferte kulturelle Form zum Träger persönlich verfügbarer mechanischer Zeitmessung.

In dieser Verbindung vereint die 1505 Watch Horologie, mechanische Konstruktion, Material- und Goldschmiedekunst, Gravur, ornamentale Gestaltung und humanistische Reflexion zu einem einheitlichen Gesamtgefüge.

Die folgenden Kapitel führen vom Ursprung tragbarer persönlicher Zeit zu ihrer Bedeutung für menschliche Orientierung und erschließen, wie Zifferblatt, Medaillons, Gravuren und insbesondere die Inschrift die Oberfläche des Pomanders zum Träger kultureller und humanistischer Reflexion über Zeit machen.

The 1505 Watch - Pomander - Engravings
Engraving 1505 Watch - Portrait Nuremberg
1505 Watch Portrait Peter Henlein

World`s First Watch
Year 1505 in Nuremberg
By Peter Henlein

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